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Gastbeitrag - NATworks@Ärzte gegen Tierversuche e. V.

Tierversuchsfreie Tests in der Kosmetikindustrie: Mit der NATworks die passenden Lösungen finden

Frei zugängliche Firmen-Datenbank für Alternativmethoden 

Die Kosmetikindustrie ist in diesem Bereich schon lange Vorreiter und Innovator: Spätestens seit dem EU-weiten Verbot von Tierversuchen für Kosmetika im Jahr 2013 zeigt sich, dass sichere Produkte auch ohne tierbasierte Testung möglich sind. Mit neuen regulatorischen Initiativen – etwa geplanten Vorgaben für Reinigungsmittel ab 2029 und einer umfassenden Roadmap für tierversuchsfreie Chemikalienprüfung – wird dieser Wandel weiter vorangetrieben. Gleichzeitig stellt sich für Unternehmen die praktische Frage: Wie lassen sich geeignete, verlässliche Alternativmethoden finden? Genau hier setzt die NATworks-Datenbank an, die als zentrale Firmenplattform Anbieter tierversuchsfreier Testmethoden europaweit und global zugänglich macht.

Regulatorischer Wandel als Treiber

Das Verbot von Tierversuchen für kosmetische Inhaltsstoffe in der Europäischen Union markierte einen Wendepunkt. Diese Entwicklung ist kein statischer Zustand, sondern Teil eines fortlaufenden Transformationsprozesses. Ein aktuelles Beispiel ist die Ausweitung auf Reinigungsmittel: Diese waren bislang von den strengen Regelungen ausgenommen, sollen aber künftig ebenfalls unter tierversuchsfreie Teststandards fallen. Mit Übergangsfristen bis 2029 wird hier ein klarer regulatorischer Rahmen geschaffen 1. Parallel dazu arbeitet die Europäische Chemikalienagentur gemeinsam mit der EU an einer umfassenden Roadmap für tierversuchsfreie Chemikalientestung, die noch in diesem Jahr vorgestellt werden soll 2. Die Richtung ist eindeutig: Europa – und zunehmend auch andere Regionen weltweit – bewegt sich systematisch hin zu einer modernen, ethisch vertretbaren und wissenschaftlich fortschrittlichen Sicherheitsbewertung.

Herausforderung für Unternehmen: Zugang zu geeigneten Testmethoden

Für Hersteller entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Einerseits müssen sie regulatorische Anforderungen erfüllen und benötigen valide Sicherheitsdaten und gegebenenfalls auch Daten zur Wirksamkeit – insbesondere bei neuen Inhaltsstoffen. Während große Konzerne oft über eigene Laborkapazitäten verfügen, sind kleinere und mittelständische Unternehmen auf externe Partner angewiesen. Hier wird der Zugang zu geeigneten Dienstleistern zu einem entscheidenden Faktor – und genau an diesem Punkt bietet die NATworks-Datenbank eine strukturierte Lösung.

NATworks: Orientierung im globalen Markt

NATworks ist eine internationale, englischsprachige, frei zugängliche und kostenfreie Datenbank, die als spezialisiertes Firmenverzeichnis konzipiert ist. Die enthaltenen Firmen bieten tierversuchsfreie Testmethoden an – als Produkt und/oder als Dienstleistung. Die Datenbank richtet sich gezielt an ein Fachpublikum und bündelt Anbieter aus Europa und der ganzen Welt, die entsprechende Methoden kommerziell anbieten.

Für Kosmetikunternehmen besonders wertvoll ist die strukturierte Filterfunktion der Datenbank: Es kann gezielt nach geografischen Kriterien gesucht werden, etwa innerhalb der DACH-Region, um lokale Anbieter zu identifizieren. Darüber hinaus ermöglichen spezifische Filter eine präzise Auswahl nach Anwendungsbereichen und Modellarten. Im kosmetischen Kontext sind beispielsweise Filter nach Organmodellen wie Haut, Auge, Lunge oder Haar besonders relevant. Alternativ lassen sich Anbieter auch nach Forschungsfeldern wie Kosmetik, Dermatologie oder Toxikologie selektieren. Ergänzend können Qualitätskriterien berücksichtigt werden, etwa Zertifizierungen nach ISO oder GMP sowie standardisierte Testmethoden nach OECD-Richtlinien. Diese Kombination aus globaler Reichweite und präziser Filterbarkeit macht NATworks zu einem effizienten Werkzeug für die gezielte Partnersuche. Die Relevanz dieser Datenbank wird auch auf EU-Ebene anerkannt: die NATworks Datenbank ist als Transitional Initiative gelistet 3, einem Verzeichnis von Initiativen, die zur Umsetzung der Roadmap der EU beitragen. Zudem wurde sie beim National Contact Point Meeting vorgestellt, einem Gremium, welches sich regelmäßig bezüglich der Verordnung Nr. 1223/2009 (EU-KosmetikV) trifft und austauscht.

Gerade im Kosmetikbereich sind viele tierversuchsfreie Methoden bereits etabliert. Künstliche Hautmodelle gehören heute zum Standard und ermöglichen präzise Aussagen über Verträglichkeit und Irritation. Auch für Augenreizungen stehen validierte Modelle zur Verfügung.

Darüber hinaus entwickeln sich komplexe Expositionssysteme weiter, etwa für die Bewertung inhalativer Stoffe. Diese sind nicht nur für Endverbraucher relevant, sondern auch für Beschäftigte in der Produktion, die mit Rohstoffen in höherer Konzentration arbeiten und entsprechend exponiert sind.

Warum wir als Verein Datenbanken wie NATworks erstellen

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die wissenschaftliche Aussagekraft klassischer Tierversuche. In der Medikamentenentwicklung – einem Bereich mit höchsten regulatorischen Anforderungen – erreichen etwa 90 von 100 Wirkstoffen nie den Markt. In ca. 3/4 der Fälle liegt dies daran, dass Tierversuche falsche Vorhersagen getroffen haben: Substanzen, die im Tiermodell als sicher oder wirksam galten, zeigen beim Menschen unerwartete Nebenwirkungen oder mangelnde Effektivität. Diese begrenzte Übertragbarkeit ist ein strukturelles Problem. Moderne Alternativmethoden setzen genau hier an und bieten oft eine deutlich höhere Vorhersagekraft für die Reaktionen des Menschen. Diese sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Teil der Arbeit des gemeinnützigen Vereins Ärzte gegen Tierversuche: Bereits 2020 haben wir die NAT-Datenbank (www.nat-datenbank.de) gelauncht, in der konkrete tierversuchsfreie Methoden gelistet sind – Basis eines Eintrags ist eine wissenschaftliche Publikation aus einem Fachjournal. Mit der NATworks-Datenbank, dem Firmenverzeichnis, gehen wir einen Schritt weiter: Hier können Unternehmen Partner finden, die robuste Methoden und Produkte anbieten, die bereits etabliert und teilweise auch regulatorisch nach OECD anerkannt sind. 

Fazit: Ein System im Wandel – mit Chancen für Unternehmen

Die Kombination aus regulatorischen Anforderungen, wissenschaftlichem Fortschritt und praktischen Lösungen wie NATworks zeigt deutlich: Die Zukunft der Sicherheitsbewertung liegt in humanrelevanten, tierversuchsfreien Methoden. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Chance: Wer frühzeitig auf moderne Teststrategien setzt und die richtigen Partner findet, kann nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch von präziseren und relevanteren Daten profitieren.

Entdecken Sie die Möglichkeiten von NATworks:

NATworks-Datenbank: hier.

Bei Fragen und Anmerkungen melden Sie sich gerne bei Julia Radzwill unter radzwill@nat-works.org

Quellen

1. European Parliament Detergents: MEPs revise rules to improve environmental and health protection, 22.01.2026

2. European Union Publications Office of the EU: Commission Roadmap towards ultimately phasing out animal testing for chemical safety assessments, 17.9.2024

3. European Commission JRC Catalogue of Transitional Initiatives contributing to the replacement or reduction of the use of animals in the regulatory assessment of chemicals, 2025