Workshop zur Evaluierung der EU-Kosmetikverordnung
Am 13. März 2026 fand ein Online-Workshop mit über 170 Teilnehmenden zur Evaluierung der EU-Kosmetikverordnung (CPR) statt, an dem auch ICADA teilgenommen hat. Grundlage der Diskussion bildete der „Pre-Workshop Report“, der zentrale vorläufige Ergebnisse zur Wirksamkeit, Effizienz und Relevanz der Verordnung zusammenfasst.
Die Diskussion zeigte ein insgesamt positives Bild: Die CPR wird von vielen Stakeholdern als effektiver Rahmen für Verbraucherschutz und Binnenmarkt angesehen. Gleichzeitig wurden in nahezu allen Themenbereichen konkrete Schwächen und Anpassungsbedarfe deutlich.
Hoher Sicherheitsstandard – aber differenzierte Bewertung
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war die breite Zustimmung zur grundsätzlichen Wirksamkeit der CPR. Viele Teilnehmende betonten, dass die Verordnung ein „starkes und vertrauenswürdiges Sicherheitsframework“ geschaffen habe und maßgeblich zur hohen Produktsicherheit in der EU beiträgt.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass einzelne Aspekte differenzierter betrachtet werden müssen. Insbesondere bei neuen wissenschaftlichen Fragestellungen – etwa endokrinen Disruptoren oder neuen Bewertungsmethoden (NAMs) – sehen einige Expertinnen und Experten noch Unsicherheiten und Verbesserungsbedarf.
Innovation: Gefördert – und gleichzeitig gebremst?
Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, ob die CPR Innovation ausreichend unterstützt.
Einerseits wurde betont, dass die Verordnung durch klare Regeln und ein harmonisiertes EU-weites System Innovation fördert. Unternehmen hätten Planungssicherheit und könnten Produkte leichter EU-weit auf den Markt bringen.
Andererseits wurde kritisch angemerkt, dass regulatorische Prozesse – insbesondere im Zusammenhang mit CMR-Stoffen und Artikel 15 – Innovation auch hemmen können. Unternehmen seien häufig gezwungen, Ressourcen in Reformulierungen bestehender Produkte zu investieren, anstatt neue Entwicklungen voranzutreiben. Dies betreffe insbesondere kleine und mittlere Unternehmen.
Kosten und Bürokratie als zentrale Herausforderung
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf den Kosten der Regulierung. Viele Teilnehmende berichteten von erheblichen administrativen und operativen Aufwänden, etwa durch Dokumentationspflichten, Sicherheitsbewertungen oder Anpassungen von Produkten.
Insbesondere kleinere Unternehmen sehen sich dadurch stark belastet. Gleichzeitig wurde jedoch auch anerkannt, dass die hohen Standards der CPR zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit und zum Vertrauen der Verbraucher beitragen.
Vollzug und Marktüberwachung im Fokus
Deutliche Kritik gab es beim Thema Durchsetzung der Vorschriften. Mehrere Teilnehmende betonten, dass die bestehenden Regelungen zwar grundsätzlich solide seien, ihre Wirksamkeit jedoch stark von der Umsetzung abhänge.
Besonders problematisch seien:
• der Online-Handel und E-Commerce,
• Importe aus Drittstaaten,
• sowie der Verkauf von Produkten „nur für den professionellen Gebrauch“ an Endverbraucher.
Hier wurde ein klarer Bedarf für stärkere Kontrollen, bessere Zusammenarbeit der Behörden und neue Ansätze – etwa bei der Plattformverantwortung – gesehen.
Neue Entwicklungen: Digitalisierung und innovative Inhaltsstoffe
Gesprochen wurde über die Zukunftsfähigkeit der CPR. Viele Stakeholder sehen Anpassungsbedarf in Bereichen wie:
• digitale Kennzeichnung,
• neue Inhaltsstofftechnologien (z. B. Biotech, Mikrobiom),
• sowie der Umgang mit Nanomaterialien.
Zwar wurden die bestehenden Anpassungsmechanismen grundsätzlich als geeignet bewertet, jedoch nicht immer als schnell und flexibel genug, um mit wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.
Fazit: Starke Basis, gezielte Weiterentwicklung notwendig
Insgesamt wurde die CPR im Workshop als internationaler „Goldstandard“ für die Regulierung von Kosmetikprodukten beschrieben. Gleichzeitig machte die Diskussion deutlich, dass gezielte Anpassungen notwendig sind, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen und die Verordnung zukunftssicher weiterzuentwickeln.
Die ausführliche ins Deutsche übersetzte Langfassung des zugrunde liegenden Reports ist auf der Mitgliederseite von ICADA verfügbar.