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Gastbeitrag - SoliSisters

Natur schützen - Gemeinschaften stärken - Lieferketten sichern

So werden Produkte naturpositiv

Wie viele Unternehmen, stehen auch Sie vor einer großen Herausforderung: Die Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit in Rohstofflieferketten wachsen – seitens der Gesetzgebung und auch seitens der Konsumentinnen und Konsumenten. Dieser Beitrag zeigt, wie regenerative Anbaupraktiken gleichzeitig auf diese Anforderungen einzahlen und den Wert Ihrer Produkte steigern. 

Schönheit und Nutzen der Naturkosmetik in all ihrer Vielfalt erleben: Das muss nicht nur das Endprodukt betreffen. Natürlich freuen wir uns über einen geschmackvoll gestalteten Tiegel, eine angenehm duftende Essenz oder eine Textur zum Dahinschmelzen. Doch es gibt noch mehr Aspekte, die unsere Sinne für Ästhetik und Schönheit beglücken. 

Die Natur dient uns als Vorbild und Inspirationsquelle. Sie trägt uns, sie ernährt uns, sie beschwingt uns, sie erhält uns. Doch sie ist auch unter Druck. Unser Hunger nach Rohstoffen hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass landwirtschaftliche Flächen immer intensiver genutzt werden - oft zum Schaden von Umwelt, Biodiversität und Artenvielfalt. Kleinbäuerliche Strukturen werden zu Gunsten von Massenproduktion aufgelöst. Das gefährdet langfristig auch die Verfügbarkeit natürlicher Rohstoffe für die Kosmetikindustrie. Hier liegt eine echte Chance für die Kosmetik: Als Branche, die von intakter Natur lebt, kann sie zum Vorreiter einer landwirtschaftlichen Transformation werden.

Für Kosmetikunternehmen ist das kein Idealismus - es ist Risikomanagement.

Was bedeutet regenerativer Anbau?

Sheabutter, Avocado und Kakao sind wichtige Inhaltsstoffe für die Naturkosmetik. Ein kleiner Teil davon wird bereits regenerativ angebaut. Das bedeutet: Es kommen Methoden zum Einsatz, die den Boden aktiv aufbauen, die Artenvielfalt fördern und Biodiversität stärken.

Das Ergebnis ist eine widerstandsfähigere Umwelt, die Klimarisiken und Starkwetterereignissen besser begegnen kann. Grüne Korridore senken die Hitze. Fruchtbare Böden nehmen Wassermassen besser auf. Auch der natürliche Schutz gegen Krankheiten und Schädlinge verbessert sich.

Dies gilt nicht nur für mehrjährige Kulturen. Auch auf Feldern und Plantagen zeigen regenerative Anbaumethoden Erfolge: Sie schützen die Natur, stärken Gemeinschaften und sichern Lieferketten. Dennoch ist der Anteil regenerativ angebauter Rohstoffe noch verschwindend gering. Woran liegt das?

Das Dilemma der Umstellung

Unternehmen mit starker Abhängigkeit von natürlichen Rohstoffen könnten durch regenerativen Anbau enorm profitieren: Lieferkettenrisiken sinken, die Widerstandsfähigkeit wächst, und der Reputationsgewinn gegenüber Mitbewerbern ist langfristig erheblich.

Doch die Umstellung auf regenerative Anbaupraktiken kostet Anbauer:innen Zeit und Geld. Geld, das sie erst verdienen müssen. Und Zeit, die ihnen abnehmende Handelsunternehmen häufig nicht geben. Wie also diesem Dilemma entkommen?

Was die Forschung zeigt

Die Soil Sisters haben untersucht, welche Rolle sogenannte Inclusive-Finance-Modelle spielen können - also Finanzierungsansätze, die für Menschen gemacht sind, die keinen Zugang zu klassischen Bankkrediten haben. Untersucht wurden Baumwoll- und Naturfaserketten in Nigeria und Ghana, mit Kenia als Vergleichsfall für stark entwickelte digitale Finanzsysteme.

Zentrale Erkenntnisse der Studie

 

  • Regenerativer Anbau ist kein Wissensproblem - er ist ein Finanzierungsproblem. Selbst wenn Anbauer:innen die Vorteile kennen, fehlt ihnen das Kapital, um die Umstellung zu überbrücken: Die Kosten entstehen sofort, der gesteigerte Ertrag kommt erst nach einigen Anbauzyklen.

  • Die Anbauer:innen, die in den letzte Jahren umgestellt haben, haben oft zusätzlichen Einkommensquellen, gehören zu gut organisierten Kooperativen oder erhalten externe Unterstützung durch Programme. Betriebe mit knappen Liquiditätsreserven können das Risiko der Umstellung nicht tragen.

  • Frauen sind besonders betroffen: Sie leisten einen Großteil der Arbeit in Sheabutter- und Naturfaserketten, haben aber seltener Landeigentumsrechte, weniger Sicherheiten und schlechteren Zugang zu formalen Krediten.

  • Digitale Finanzsysteme sind weit verbreitet - aber nicht für langfristige Investitionen ausgelegt. Selbst in Kenia, dem Vorreiter digitaler Finanzinklusion, konzentrieren sich mobile Finanzprodukte auf kurzfristige Zahlungen, nicht auf die benötigten mehrjährigen Farminvestitionen.

Quelle: Inclusive Finance in Cotton and Natural Fiber-Producing Countries, Soil Sisters Group (Desk Research, 2026)

Das Ergebnis ist eindeutig: Es braucht keine neuen Finanzprodukte von außen - es braucht eine andere Logik innerhalb der Lieferkette selbst. Und hier kommen Unternehmen wie Ihres ins Spiel.

Die Lösung: Finanzierung aus der Lieferkette heraus

Besonders vielversprechend sind zwei Ansätze, die Einkäufer und Unternehmen direkt einbinden. Erstens die wertschöpfungskettenbasierte Finanzierung: Unternehmen unterstützen Anbauer:innen durch Vorauszahlungen oder Nachhaltigkeitsboni, die an konkrete Praktiken gebunden sind. Zweitens das sogenannte Insetting:

Was ist Insetting? Beim Insetting investieren Unternehmen direkt in ihre eigene Lieferkette, um dort CO₂ einzusparen oder Böden zu verbessern - anstatt Klimaschutzprojekte außerhalb des eigenen Geschäfts zu finanzieren (Offsetting). Kurz: Das Unternehmen verbessert, was es selbst benutzt. Besonders relevant: Insetting-Maßnahmen können als Teil der LkSG-Sorgfaltspflichten dokumentiert werden und zahlen auf die EmpCo-Richtlinie ein.

Wenn Einkäufer sich verpflichten, zukünftige Ernten abzunehmen, sinkt das Einkommensrisiko für Anbauer:innen erheblich. Das schafft Planungssicherheit - und damit den Spielraum für die Umstellung auf regenerative Praktiken.

We are in this soil together!

Technologie als Schlüsselfaktor

Der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Lieferkette. Neue technologische Innovationen erleichtern diese Zusammenarbeit erheblich: Sie ermöglichen es, Echtzeit-Daten direkt vom Feld zu übermitteln - an Fachleute, die diese Informationen in konkrete Handlungsempfehlungen umwandeln.

Was bedeutet Lieferkettentransparenz? Unternehmen bilden ab, woher ihre Rohstoffe stammen, unter welchen Bedingungen sie angebaut wurden und welche Umweltauswirkungen damit verbunden sind. Das reduziert Risiken, erleichtert Nachhaltigkeitsberichte - etwa im Rahmen von LkSG oder EUDR - und schafft glaubwürdiges Storytelling am Markt.

Wertschöpfungskettenbasierte Finanzierung und Insetting-Modelle können so - kombiniert mit transparenten Lieferkettendaten - zu Wegbereitern für regenerative Anbaumethoden werden. Wie das konkret aussehen kann, dazu entwickeln Miriam Farsi und Regina Kallfelz von der Soil Sisters Group gemeinsam mit Anbauer:innen und Handelsunternehmen praxisnahe Projekte.

Interesse an einem Austausch?

Die Soil Sisters Group arbeitet mit Unternehmen aus der Kosmetik- und Textilindustrie zusammen - von der ersten Lieferkettenanalyse bis zur Umsetzung konkreter Insetting-Projekte. Sprechen Sie uns an: www.soilsisters.com 

 

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Die Chancen der Naturkosmetik - wie bodenaufbauende Anbaumethoden Biodiversität fördern, wie Lieferkettentransparenz Unternehmen entlastet und warum der Wert von Produkten dadurch steigt - das zeigen die Soil Sisters in ihrem Vortrag am 22.4.2026 beim ICADA Online-Fachtag Naturkosmetik kompakt:

"Biodiversität als Steuerungsfaktor für den nachhaltigen Erfolg der Kosmetik"

Miriam Farsi und Regina Kallfelz entwickeln gemeinsam mit Anbauer:innen und Unternehmen naturpositive und klimafreundliche Rohstofflieferketten für die Kosmetik- und Textilindustrie. Ihre Analyse macht Ökosystemleistungen direkt auf dem Feld sichtbar - und zeigt, wie aus Risiken langfristige Wettbewerbsvorteile werden.

ÜBER DIE AUTORINNEN

"In der Transformation der Landwirtschaft hin zu regenerativen Anbaupraktiken steckt ein enormes Potenzial."

Natur schützen, Gemeinschaften stärken, Lieferketten sichern" befasst sich das Start-up Soil Sisters Group aus wissenschaftlicher und unternehmerischer Perspektive damit, wie regenerative Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen können. Ihre Arbeit wird von dem führenden Institut für Nachhaltigkeit CSM und dem Exist-Stipendium unterstützt. Zudem waren beide Stipendiatinnen des Exist-Women-Programms, das herausragende wissenschaftliche Ideen dabei unterstützt, Transformation voranzubringen. Die beiden Gründerinnen haben bereits viel Erfahrung in der Beauty- und Textilindustrie sammeln können.